Energie

Beide, Kampfkunst und Energiekunst, sind gleich wichtig und die beiden Beine des Taiji Quan, oder die beiden Seiten ein und derselben Münze. Die Kampfkunst benutzt innere Spannung um äußere Bewegungen zu leiten, die Energiekunst benutzt äußere Bewegungen, um innere Spannungen zu führen. Damit ist eigentlich das Phänomen der sogenannten Formen erklärt und auch, warum wir diese üben – nur setzt sich eine Form aus Shi/ Stücken zusammen, und diese Shi/ Stücke haben einen Inhalt. Damit ist die Form weit mehr als die Summe ihrer Teile.

Letztlich führt immer die innere Spannung die Bewegung, erschafft sie sozusagen, über innere und äußere Wechsel, welche aus dem Einen Punkt gespeist werden. Somit schließt sich der Kreis in unendlicher Bewegung, die sich aus sich selber gebiert und auch zerstört. So wird alles in der Natur bewegt, alles in der Natur ist letztlich ein Perpetuum Mobile. Durch Gebären und Zerstören wird auch klar, dass die Energiekunst für Heilung und Zerstörung taugt, also gleichermaßen im Frieden wir im Krieg ihren Wert hat, männlich wie weiblich ist.

Weiterführend biete ich alle Blankwaffen des Taiji Quan als Waffenkampfkunst an. Die Waffenkampfkunst ist die Fortsetzung der waffenlosen Kampfkunst mit gesteigerten Mitteln und geringeren Fehlertoleranzen. Also eine Vertiefung der Kampfkunst. Anspruchsvoller, Fortgeschrittener, Endlicher. Nur in der Waffenkampfkunst zeigt sich der historische Hintergrund des Taiji Quan in seiner gesamten Breite, wenn man so will tritt hier der Charakter des Taiji Quan klar in den Vordergrund. Das mag zu recht unbewohnten Schlussfolgerungen führen, wobei ich hier aber nicht vorgreifen möchte.
Die Waffenkampfkunst ist für das Verständnis des Taiji Quan sehr wichtig, zeigen sich in ihr die Prinzipien des Taiji Quan am deutlichsten. Das Prinzip ist die Arche, ihre Shi/ Stücke sind nur die Hülle. Durch die Waffenkampfkunst vervollständigt sich die waffenlose Kampfkunst, weil sie durch die geringeren Toleranzen genauer und auf noch kleiner Bewegungen vermindert wird. Die Energiekunst verändert sich mit Blankwaffen ebenfalls und wird subtiler, wobei sich Holz, Stahl, Fleisch und Knochen unterschiedlich verhalten. Deswegen ist die Waffenkampfkunst, das Fechten, ein integraler Bestandteil der Kampfkunst und damit des Taiji Quans. Um es zu wiederholen, die Waffenkampfkunst ist für die Energiekunst sehr, sehr wichtig. Die Waffenkampfkunst ist eine Steigerung der waffenlosen Kampfkunst und somit auch eine Steigerung der Energiekunst. Die Waffen sind Resonatoren.

Die Kampfkunst wird erst in der Einheit mit einem Partner oder Gegner vollkommen, die Energiekunst wird erst mit der Einheit zwischen Innerem und Äußerem vollkommen. Beides zusammen zu üben ist das Ziel und auch der bewährte Weg im Unterricht. Die innere Spannung bedingt die äußere Form und die äußere Form ist das Strombett für die innere Spannung. Damit ist das Strombett also der Antreiber, die innere Spannung ist das Mittel, der Trieb, der Wechsel – wir sehen das heute eher umgekehrt.
Spannung ist Polarisierung und die Steigerung derselben führt zu einem verändertem Zustand – dies führt immer zu einem starken Energiefluss, der eigentlich ein Ausgleich ist, denn der Energiefluss speist sich aus dem Einen Punkt. Mit Goethe muss man lösen können, und auch binden. Wer beides vermag, der kann den Energiefluss beliebig lenken und die Energie auch beliebig steigern.
Das Binden geschieht im Taiji Quan durch langsame und gleichförmige Bewegung unter Annäherung an den Einen Punkt. Für diese langsamen und gleichförmigen Bewegungen ist das Taiji Quan heute im Westen bekannt.

Den Wechsel, das Mitteln oder Abgeben von Energie, gibt es in vier unterschiedlichen Disziplinen (Rad, Speiche, Spirale, Explosion), diese entfernen sich immer vom Einen Punkt und nutzen die inneren und äußeren Wechsel als Mittel zum Zweck. Im Taiji Quan wird in den Formen immer ein Übergewicht von Binden vorhanden sein, der Wechsel, also Abgeben, ist nur wichtig um neues Binden gegensinniger Art zu ermöglichen. Weil sich Binden immer dem Einen Punkt nähert ist der Wechsel, der sich vom Einen Punkt entfernt, eben erforderlich.

Genauso ist in der Natur der Tod wichtig, um neues Leben zu ermöglichen, Binden ist das Leben, Wechsel ist der Tod. Binden nährt und stärkt das Individuum, Wechsel ist transzendent und führt über das Einzelwesen hinaus. Der Motor für all diese Veränderungen ist das Lösen, die Höchstbewegung in der scheinbaren Ruhe. Das Lösen steht sozusagen zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod und ist die Grundlage für unsere Körperlichkeit, unsere Seele und unseren Geist. Wie ich oft sage, unsere Körper sind eigentlich tot, nur die sich beständig bewegende Lebenskraft hält durch beständigen Wechsel das aufrecht, was wir unsere Körper nennen, der eigentlich nur eine Hülle ist. Der Körper ist die Hülle für die Lebenskraft, Arche oder Bios.

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