Wissen

Wissen im Taiji Quan baut sich klassischer Weise in vier Schritten auf (Hören, Verstehen, Verformen, Abgeben) und wird zuerst im eigenen Bewegungsablauf erkannt, später dann im Bewegungsablauf des Partners oder Gegners. Echtes Wissen muss man sich selbst in harter Arbeit (Gong Fu) erwerben, es gibt keine Abkürzungen und niemandem fällt Wissen einfach zu. Der Weg zum Wissen im Taiji Quan ist vorgezeichnet, zuerst der Bewegungsablauf, dann die Anwendung, dann die inneren und äußeren Wechsel und letztlich der Energiefluss. Mit dem Energiefluss verändert sich alles, vor allem die eigene Wahrnehmung, damit auch das Selbst. Durch den Energiefluss wird der Eine Punkt spürbar. Das Erreichen des Einen Punktes und das zeitweise Aufgeben desselben kommen mit der Zeit also von selber und können nicht direkt unterrichtet werden. Kampfkunst und Energiekunst kann man generell nicht theoretisch erlernen.

Ich halte nichts von sogenannten Geheimnissen und künstlichen Hürden in der Kampfkunst, wie exzessive Prüfungsordnungen und ausschweifende wirtschaftliche Ausbeutung. Für die Energiekunst gilt dasselbe, zumal in der Energiekunst genauso viel Unseriösität angeboten und vermarktet wird wir in der Kampfkunst. Ich versuche zu erklären, was erklärbar ist, weiß aber das jede Erklärung nur der kümmerliche Ersatz für die eigene Erfahrung ist. Beide, Kampfkunst und Energiekunst, sind für den heutigen Menschen wichtiger denn je – haben wir doch heute fast jeden Bezug zu natürlichen Verhaltensweisen verloren.

Also versuche ich auf den folgenden Seiten einige vielleicht ungewohnte Blickwinkel auf das Taiji Quan zu beleuchten und gewisse Verhalte zu beschreiben. Diese decken sich häufig nicht mit dem gängigen Bild, das wir heute vom Taiji Quan haben. Teilweise stelle ich auch das gewohnte Welt- und Geschichtsbild in Frage – ich weiß, dass dies niemandem leicht fällt, haben wir den Kram doch in der Schule gelernt.

Ich bitte dabei stets im Kopf zu behalten, dass es sich dabei um meine eigenen Meinungen und meine eigene Lebenserfahrungen handelt, begrenzt wie beide sind. Wer Glauben sucht muss sich mit den Kirchen behelfen. Denken kann man dem Einzelnen nicht abnehmen – auch wenn es modern erscheint eben dies zu tun.

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